Los!

Eine Wintersonne am wolkenfreien Himmel verändert den Blick auf den Dreck, liegengebliebene Streumittel, die Hundescheiße, Verpackungsmüll, illegal angebrachte und daher wieder halbwegs entfernte Plakate auf Stromkästen. Diese ganze Unvollkommenheit und auch der Trost aus Stellarkonditionen bereitet mir mitten in DEUTSCHLAND ein überraschend DDR-mäßiges Lebensgefühl der Ohnmacht gegenüber den Widersprüchen meiner unvollkommenen Lebenswelt.

Der Gang zum Kaiser’s ist gesäumt von Begegnungen mit Arbeitenden: ein Mann steht ohrtief unter dem Asphalt des Gehwegs und misst irgendwas, sein Kollege jenseits der Straße misst auch mit Funkmessgerät. Ein Hauswart im Blaumann grüßt mich auf der Heidelberger, ungewöhnlich für Berlin. Ein Mann entsteigt dem Firmenwagen einer Sanitärfirma und geht, Brötchentüte in der Hand, um die Ecke. Der kalte klare Morgen frischt die bildschirmarbeit- und allgemein urbanwinterinduzierten Melancholien aus mir raus, pumpt Sauerstoffenergie hinein, stärkt die Durchblutung der Epidermis. Freude kommt auf auf die Beschäftigung der kommenden Stunden mit Förderanträgen für gute Ideen, Freude über diese Kulturpolitik, die mir das ermöglicht, Geld zu beantragen für wertvolle Aktivitäten zur Weltverbesserung. Letzterer Terminus stammt von Datenstrudel, ich verfremde seinen ironisierten Universalismus, der satirische Alltagsveränderungen meinte, und fülle hinein: für Genuss durch Erkenntnis, gegen Blödheit und Dumpfheit.

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