Logbuch 1.8: INFINITE JEST

Logbuch INFINITE JEST S. 690: INFINITE JEST blockiert die ganze Leseliste. Im Regal zappeln schon ungeduldig Broch und Mahlke, Hein und Handke. Aber wenn ich doch einmal dazu komme, mich wieder IJ zu widmen, irritiere ich mein Umfeld durch wiederholtes, plötzliches Auflachen. Inhaltlich gab es jetzt länger wenig Bewegung. Nachdem besagter Lenz als sinister und umtriebig eingeführt war, diente er dazu, fiese Böse in Richtung Ennet halfway house zu führen, wo sie in einer wirklich atemberaubend grandiosen Schlacht von Don Gately, ja: vernichtet wurden. Sensationell. Damit ist Gately, angeschossen, jetzt erstmal außer Gefecht. Wir kommen also zum unendlichen Tennismatch Ortho „The Darkness“ Stice gegen Hal Incandenza, das die Kritik wiederholt als weniger überzeugend strukturiert dargestellt hat, weil es nämlich sehr lang hingezogen und immer wieder mit anderen Informationen durchschossen ist. Stice siegt über Hal, und dass im Angesicht von „Helen“ Steeply, der sich an die Incandenza-Familie heranrobbt. Wir erfahren wieder mehr über Hal und seinen Vater. „Helen“ Steeply hat ihr Interview mit Orin Incandenza geführt (kolportiert in langen Fußnotenseiten in sehr kleinem Druck irgendwo hinten in dieser Ausgabe), wir erfahren mehr über James Inc.‘s Filme. An welchem Tag findet eigentlich das Gespräch zwischen Steeply und Marathe statt?

Ich kann nicht mehr, ich brauche Abwechslung, kurzfristigere Erfolgserlebnisse, die sich nicht über dreihundert Seiten ausdehnen. Mein Alltag gestattet solche Wellenlängen eigentlich nicht, was nicht heißt, dass ich finde, mein Alltag sollte sich nicht mal ein bisschen anstrengen und anpassen. Aber mein Alltag ist eben nicht nur mein Alltag, seine Anpassungsfähigkeit hat Grenzen. Schon in Schuhen auf dem Weg aus der Tür und zum Theater schnappe ich mir Ostermaiers SCHWARZE SONNE SCHEINE. Der Bus kommt zu spät, da schaffe ich noch ein paar Seiten mehr. Ein 24jähriger kämpft mit dem Wunsch, Literat werden zu wollen und der Enttäuschung seiner Eltern, die das nicht wollen. Dann überfällt ihn die Nachricht einer lebensbedrohenden Erkrankung. So beginnt das vor allem in hohem Lesetempo geschriebene Buch über die Zeit vor präzise zwanzig Jahren Buch. Noch ist nicht klar, wie die lebensbedrohliche Erkrankung, die am Anfang eingeführt wird, weitergeht. Oder wie viel davon Autobiographie ist. Der Text bewegt mich wegen der Suche der Hauptfigur nach dem Literaten in der Hauptfigur, auch wenn ich das Gefühl habe, das ist keine Literatur, die mich inspiriert. Aber sie macht Mut: Bücher, die im Handel herhältlich sind, sind tatsächlich schreibbar.

 

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