Biller in der ZEIT

Noch ehe ich überhaupt nachdenken kann über Maxim Billers Polemik in der ZEIT der letzten Woche, schreiben Mangold und Klaus-Dieter Lehmann (vom Chamisso-Preis) schon geschliffene Repliken. Mich hatte der ja amüsiert, aber nicht intellektuell, sondern einfach wegen der Polemik-Form, das finde ich ja auch bei Goetz über lange Strecken immer erfrischend, diese körperliche Literatur. Fühle mich von der Beschimpfung aber überhaupt nicht gemeint. Innerlichkeitsliteratur schimpft er Handke, während mich an Handke weniger die Innerlichkeit, vielmehr das Blasierte ankotzt. Und Handke ist doch nur ein Teil der Bandbreite, die inspirieren kann. Von Biller bin ich bisher allerdings überhaupt nicht angeregt, auch die Empfehlung Goetzens für Billers „Der gebrauchte Jude“ habe ich dann nicht nachvollziehen können. Sein Vorwurf der Sterilität und Selbstreflexion usf. finde ich allerdings (vor allem inzwischen, wo die 90er so lange her sind, und auch da gab es schon die Popliteraten, die überhaupt so was von nicht innerlich waren) abwegig. Ich glaube nicht an Migrationsgeschichten als Antwort auf eine vermeintliche Sterilität etc. Tatsächlich ist mir ja eigentlich egal, ob die Autoren oder ihre Eltern irgendwie migriert sind. Ob das ihr Schreiben interessanter macht? Da migriere ich lieber selber in andere Literaturen, als dass dieser Vorgang oder die Erfahrung Thema sein muss. Und lese Pamuk (nur so als Quotentürke), oder Pynchon, oder Kertesz oder Jelinek oder Wolkers oder Perec oder Bolaño uswusf. Man hat doch die Weltliteratur (danke, Ihr Übersetzer_innen!), eine Nationalliteratur (aber bitte mit MIgrationsprozentsatz), wie Biller sie fordert, muss doch nicht alles leisten. Was ist denn das für ein Anspruch?!

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