SumSum zum Quadrat

SUMSUM2 – Eine grenzenlose Liebes- und Sprachverwirrung

Ein zweisprachiges Projekt in Koproduktion des Theaters Erlangen und Teatr Pokoleniy mit dem Baltischen Haus (St.Petersburg).

Idee und Konzept, sowie unterstützende Initiative: raum4.

raum4   theater erlangen   pokoleniy     baltisches haus

IDEE UND KONZEPT Eberhard Köhler, Henning Bochert
REGIE Valentin Levitskiy (Erlangen), Eberhard Köhler (Sankt Petersburg)
BÜHNE Danila Korogodsky
KOSTÜME Anna Stübner, Viola Werling
MUSIK Reto Senn
DRAMATURGIE Henning Bochert (gesamt),
Stefanie Symmank (Erlangen)
LICHTDESIGN Jeffery Eisenmann
MIT Linda Foerster, Gitte Reppin; Sergey Mardar, Vladimir Postnikov (Erlangen), Anastasia Toshcheva, Yelena Polyakova; Matthias Bernhold, Patrick Serena (Sankt Petersburg)

PREMIERE (Theater Erlangen): 24. Juni 2010
PREMIERE (Teatr Pokoleniy, St. Petersburg): 08. Juli 2010

U.a. gefördert im Fonds Wanderlust der kulturstiftung des<br />
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>> weitere Informationen unter www.sumsum-zumzum.net (blog mit Erlebnissen, Reflexionen, Eindrücken zum Projekt)

2008 hat Eberhard Köhler von raum4 die Idee einer deutsch-russischen Zusammenarbeit mit dem Teatr Pokoleniy aus St. Petersburg, mit dem er bereits mehrere Jahre zuvor als Regisseur gearbeitet hat, mit Henning Bochert zu einem Konzept ausgearbeitet und verschiedene Theater herangetragen. Die designierte Intendantin des Theaters Erlangen Katja Ott hat von dem Plan gleich Feuer gefangen. Gemeinsam haben raum4 und das Theater Erlangen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit erforscht und schließlich den Förderantrag für das Projekt SumSum2 beim Fonds Wanderlust der Bundeskulturstiftung gestellt.

Der Fonds Wanderlust ermöglicht deutschen Stadt-, Staats- und Landestheatern die Zusammenarbeit mit Bühnen im europäischen und außereuropäischen Ausland. Gefördert werden feste Partnerschaften für die Dauer von zwei bis drei Spielzeiten. Die Zusammenarbeit reicht vom Austausch künstlerischen Personals über Gastspiele bis hin zu gemeinsamen Produktionen. Die Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes ermöglicht eine dreijährige Zusammenarbeit des Theater Erlangen mit dem Teatr Pokoleniy, einem jungen und erfolgreichen freien Ensemble aus St. Petersburg. Die Kooperation wird in drei Schritten erfolgen.

Im Mittelpunkt der Theaterpartnerschaft zwischen dem Theater Erlangen und Teatr Pokoleniy St. Petersburg steht die Untersuchung kultureller Fremdheit am Beispiel von Deutschland und Russland.


DAS PROJEKT

Erster Schritt ist die gemeinsame Inszenierung von SUMSUM der Schweizer Dramatikerin Laura de Weck, zu der Eberhard Köhler und Henning Bochert vom Ku?nstlernetzwerk raum4 die Idee und das Konzept entwickelten.
Das Stück, das Kultur- und Sprachbarrieren thematisiert, wird in einer deutsch-russischen Version mit zwei Inszenierungssträngen geprobt, die jeweils in St. Petersburg und Erlangen erarbeitet und anschließend an beiden Theatern zu einem Theaterabend verbunden werden. SUMSUM wird zu SUMSUM2, dem offiziellen Projekttitel.
Premiere ist am 24. Juni 2010 in Erlangen und am 08. Juli in St. Petersburg.

Nächster Schritt ist der Austausch von künstlerischem und technischem Personal, die die Zusammenarbeit vertiefen und die jeweiligen Stärken beider Theater vermitteln soll. Davon versprechen wir uns, dass etwas von der visuellen, assoziativen Theaterarbeit des russischen Theaters auch über die Dauer des Kulturaustausches hinaus im Theater Erlangen fortwirken wird. Gleichzeitig hoffen wir, das technische Niveau des freien Theaters in Russland durch den Kontakt mit den deutschen Gewerken, Sicherheitsstandards, organisatorischen Abläufen etc. langfristig anheben zu können.

Abschließend werden in einem dritten Schritt je eine deutsche und eine russische Inszenierung am Partnertheater im jeweils anderen Land als Gastspiel gezeigt werden. Nach den gemachten Erfahrungen werden die Gastspielproduktionen im wirklichen Dialog beider Theater ausgewählt. Darüber hinaus können die jeweiligen Spielpläne für die Spielzeiten 2011/2012 und 2012/2013 im Hinblick auf die auszutauschenden Produktionen gestaltet werden. Indem beiden künstlerischen Direktionen erlaubt wird, auf eine Position im Repertoire des Partnertheaters Einfluss zu nehmen, geht dieser Schritt weit über herkömmliche Gastspiele hinaus.

Neben der Kulturstiftung des Bundes wird das Projekt vom Förderverein Theater Erlangen, der Areva NP GmbH, dem Komitet pro Kultura St. Petersburg, Pro Helvetia (Schweizer Kulturstiftung), der Kulturstiftung Erlangen, raum4 e.V sowie dem Theater-Festival "Baltiyskiy Dom" gefördert und unterstützt.

 

PARTNER

Theater Erlangen
 
Das Theater Erlangen wird seit der Spielzeit 2009/2010 von Katja Ott geleitet. Es vereint zwei Spielstätten: das Markgrafentheater, das älteste bespielte Barocktheater Süddeutschlands und die Garage, in denen ein vielseitiges Programm geboten wird – vom großen Klassiker bis hin zum zeitgenössischen Stück. Der Spielplan wird ergänzt durch das jet – JUNGES ERLANGER THEATER mit einem breiten Angebot für Kinder und Jugendliche ab 3 Jahre sowie einer jährlich wiederkehrenden WERKSCHAU, die in jeder Spielzeit einen Autor ins Zentrum stellt. Neben Lesungen und Matineen ergänzen eine Vielzahl an renommierten Gastspielen sowie namhafte Festivals den Spielplan. 
Das Theater Erlangen hat ca. 55.000 Besucher in 260 Aufführungen pro Spielzeit und zählt damit zu den meistbesuchten Kultureinrichtungen in der Metropolregion Nürnberg.

Teatr Pokoleniy
 
Das St. Petersburger Teatr Pokoleniy ist ein freies Theater unter der künstlerischen Leitung des russisch-amerikanischen Professors und Bu?hnenbildners Danila Korogodsky. Gegründet von seinem Vater, dem maßgeblichen Leningrader Regisseur und Theaterpädagogen Zinoviy Jaklovich Korogodsky, arbeitet das junge Ensemble seit nunmehr drei Jahren in den spektakulären Gewölben des Festungswalls der Peter-und-Paul-Festung im Herzen des historischen St. Petersburg. Die Spieler sind in einer seit drei Generationen ununterbrochenen Stanislawski-Tradition ausgebildet. Ihre sehr körperbetonte Spielweise unterscheidet sich signifikant von derjenigen der in Westeuropa ausgebildeten Spieler mit ihrem größeren Bewusstsein für Verfremdung. 

Das Teatr Pokoleniy hat sich in jüngster Zeit größerer nationaler und internationaler Aufmerksamkeit erfreut. So ist es im November 2007 zum „Churer Theaterherbst“ in der Schweiz eingeladen worden, im Herbst 2007 nach Nižni-Novgorod, im April 2009 nach Veliky Novgorod. Außerdem haben ARTE und der ZDF Theaterkanal im September 2008 einen Bericht über das Teatr Pokoleniy gesendet. In theater heute erschien im Mai 2009 ein Artikel über die Inszenierungen von Antigone und Laura de Wecks Stück Lieblingsmenschen. Mittlerweile gibt es am Teatr Pokoleniy ein Repertoire von 10 Stücken, die regelmäßig gespielt werden. Infrastrukturell ist das Theater sehr bescheiden aufgestellt. Die Produktionen erhalten jeweils öffentliche Gelder in nur sehr geringem Umfang, das Theater selbst überhaupt keine Förderung. Geringe Gagen werden aus den Einnahmen bestritten. Nichtsdestoweniger konnten die jüngsten Produktionen (namentlich Stol) erhebliche Medienaufmerksamkeit erzielen. Das Theater ist eine in Deutschland nicht existente Form aus freiberuflich Beschäftigten, die bestenfalls projektbezogen gefördert werden und dennoch einen Repertoirebetrieb mit vollem Spielplan bestreiten.


DAS STÜCK SUMSUM

Das Stück SUMSUM (UA: Theater Chur, 6.5.2008 / DEA: LT Tübingen, 3.10.2008) von Laura de Weck erzählt von Kultur- und Sprachbarrieren. Dabei bilden nicht nur die gesprochenen Worte, sondern starke stille Momente eine Kommunikationsform der besonderen Art. Im Stücktext sind sie wie Pausen in einer musikalischen Komposition verzeichnet.

URS-PETER:         Mm.

                           -

                           -

                           -

                           Brrrrr…

                           -

                           Möchtest du meinen Pulli, ja. Ist dir kalt?

                           Ja?

                           Mein Pulli?

                           Meinen Pulli.

                           Meine Freundin.

                           Das ist meine Freundin.

Erzählt wird die Geschichte von Urs-Peter, der Selina „im Computer“ kennengelernt hat. Mit seinem besten Freund bespricht er den Plan, in Selinas weit entferntes Heimatland zu fliegen, um sie zu treffen. 

FREUND:                      Super, super, super.

URS-PETER:                 Ja. Ja.

                                   -

                                   -

FREUND:                      Uiuiuiuiui.

URS-PETER:                 Ja.

FREUND:                     Super.

URS-PETER:                 Ja.

Am Flughafen wird Urs-Peter von Selina und ihrer Schwester empfangen. Bald merkt er, dass Selina seine Sprache gar nicht beherrscht; ihre Schwester muss alles übersetzen. Urs-Peter kann nun entweder über eine zweite Person mit Selina kommunizieren – ohne dass eine vertrauliche Beziehung zwischen den beiden Fremden aufgebaut werden kann – oder allein mit Selina ohne gemeinsame Sprache. In der entstehenden Liebe erfinden die beiden eigene Ausdrucksmöglichkeiten, doch die Beziehung scheitert. Urs-Peter fliegt wieder nach Hause. 

URS-PETER:          … das war so … ich weiß doch auch nicht mehr, ja. Wir haben uns

                           einfach, oder ich hab mich einfach nicht in sie … verliebt, so richtig.

Ist die Liebe von der Kultur, der Herkunft, der Mentalität des Anderen abhängig?
Welche Rolle spielt die Sprache beim Suchen und Finden der Liebe? Sind die Antworten auf diese Fragen ebenfalls abhängig von Land und Leuten? Diese Fragen gilt es bei der Theaterarbeit nachzuspüren.

„Laura de Weck hat mit ihrem zweiten Stück >SumSum< die Tragikkomödie einer gescheiterten Verständigung geschrieben.“ (Neue Zürcher Zeitung)


BIOGRAFIEN
 
Laura de Weck (Autorin SUMSUM
)
Laura de Weck, geboren 1981, wuchs in Paris, Hamburg und Zu?rich auf. Bis 2005 studierte sie Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Sie erhielt das Paul-Maar-Stipendium, nahm an den Werkstatttagen des Wiener Burgtheaters teil und wurde ans Frankfurter Autorenforum eingeladen. Ihr erstes Theaterstück LIEBLINGSMENSCHEN, hatte 2007 am Theater Basel Premiere. SUMSUM ist ihr zweites Stück und wurde 2008 am Theater Chur uraufgeführt. Die Deutsche Erstaufführung war am Landestheater Tübingen. Seit 2007 ist Laura de Weck festes Ensemblemitglied des Jungen Schauspielhauses Hamburg.
 
Valentin Levitskiy (Regisseur in Erlangen)

Valentin Levitskiy wird in Erlangen Regie führen. Er wurde 1985 in St. Petersburg geboren und studierte an der Petersburger Universität Schauspiel und Regie. Nach seinem Studium promovierte Levitskiy im Jahr 2009. Seit 2005 arbeitet er am Theater der Generation in St. Petersburg als Regisseur, Schauspieler und Übersetzer.
 
Eberhard Köhler (Regisseur in St. Petersburg)

Eberhard Köhler wird den russischen Teil der Inszenierung am Teatr Pokoleniy übernehmen. Er wurde 1967 in Gießen geboren und studierte Schauspiel und Regie an der Schauspiel-Akademie Zürich. Köhler inszenierte unter anderem an Theatern in  Saarbrücken, Dortmund, Stuttgart, Wien, Berlin, Zürich sowie in den USA und Russland. Mit großem Erfolg inszenierte er 2008 die russische Erstaufführung von Laura de Wecks ersten Stück Lieblingsmenschen in St. Petersburg.

Teatr Pokoleniy mit Laura de Weck      


(Laura de Weck am Eingang des Teatr Pokoleniy in der Peter-und-Pauls-Festung St. Petersburg)