Transit

 

Transit

Transit. Immer weiter. Keine Ankunft. Alles fährt fort. Kein Bleiben. Das Ticken der Sekundenzeiger übertönt die Motoren. Transit. Kein Ort berührt die Füße nach der Landung. Die Lippen küssen ins Leere. Einer wie der andere. Gesichtslose Bräute. Platzhalter, austauschbar. Hafenbar. Alles unwesentlich, am Ende. Es geht weiter. Oder nicht. Verratzt im Nirgendwo. Hängengeblieben zwischen den Zeilen der Anzeigetafel. Wartezeit. Lebenszeit. Alter findet nicht statt. Hinter der Werbung Todesangst: wer bin ich? Jede Antwort dünn gelogen. Nur endlich Ankommen.



Arrival

Ankommen. Ende. Arme bergen dich, kaum dass du stehst. Was dich fasst, was du erhältst, bleibt dein. Die hier stehen, stehen hier für dich. Stimmen tragen den vermissten Klang wirklich und lebendig in dein Ohr. Mit deinem Namen. Wenn man dich als den ruft, der du warst; wenn du weißt, du bist erwünscht, ersehnt; wenn du bleibst und bleibst und weiter bleibst, wenn das Bett, in dem du wachst und schläfst auch am dritten Morgen noch da steht. Dann kommst du an. Dann ist es vorbei. Verzichtverzicht. Alter Itaker, lang ist es her. Ist ja auch egal, jetzt bist du hier. Hat sich nichts geändert hier seitdem. Iß und trink mit uns wie ehedem. Kannst ausruhen. Augen zu, tief atmen. Keine Angst. Aus. Vorbei. Hier ist Erinnerung. Dieses Fleckchen Erde weiß von dir. Kein Bedarf hier für den Mann im Korb. Glück strengt an, zu sehr, es ist dir fremd. Ruh dich aus. Schlafe. Du warst Passagier der Reise selbst, dabei blind und taub und stumm, bald lahm. Körper finden sich gebremst vor Ort. Masse und Gewicht erscheinen neu. Unbestreitbares Vorhandensein. Ferne Sirenen. Wie beschworen wirst du Blut und Fleisch. Endstation. Der Augenblick entsteht, frei von ständiger Beschleunigung. Klar und nicht zu leugnen die Kontur. Schick die Freier fort, du bist zuhaus. Ende Odysseus.


Transit 2

departure
wachs in die ohren wenn es schön zu werden droht kein verweilen heimat ist fremd die fremde heimisch fest gebunden den rücken mastwärts fensterplatz haus hof herd sind friedhöfe der hoffnung nicht wiederzuerkennen erinnerung veräußerter besitz du gibst sie auf ein fairer tausch ortflucht schnellerwärts vergessen um dich herum vergehen zehn gute alte jahre wie im flug im ständigen versuch die haftreibung zu vermeiden bleibt etwas auf der strecke du läßt es hinter dir aus dem sinn die toten reisen schnell plötzlich alle hellwach wenig später geht die sonne auf immer schnurstracks weiter transit ist verzicht auf heimkehr was bleibt stirbt schneller werden überleben verschwinden
 

 

 


Bildrechte: Andreas Durst

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