Armut VI: Wut

Der Mann in besten Jahren
im Park morgens vor acht
neben ihm sein Handwagen
wohlgefüllt schon mit dem Ertrag seiner ehrlichen Arbeit
hantierend jetzt mit dem Dreikantschlüssel am Riegel des nächsten Mülleimers
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Eurodram in Mannheim: Auswahl 2017

Lesung von “sieben köchinnen, vier soldaten und drei sophien” – Foto: Neil Fleming

Eurodram ist das Netzwerk für europäisches Drama in Übersetzung, und selten erfüllt sich diese Mission so prächtig wie bei der Präsentation der diesjährigen Auswahl des deutschsprachigen Komitees in Mannheim. Die Teilnehmer erschienen aus europäischen Groß- und Hauptstädten wie Split, Barcelona, Berlin, Hamburg, London, Paris, Ljubljana, Wien, Graz und Sofia. Das Theaterhaus G7, geleitet von Komiteemitglied und Regisseurin Inka Neubert, hatte die Veranstaltung in die Spielzeitplanung genommen und stellte die drei Stücke, die aus den über 70 Einsendungen am empfehlenswertesten erschienen, am 24. Juni in szenischer Lesung vor.

Ulrike Syha und Inka Neubert – Foto: Neil Fleming

Noch am Freitag hatte dort Stefano Massinis „Eine nicht umerziehbare Frau“, ein starkes Stück über die ermordete Journalistin Anna Stepanowa Politkowskaja aus der Komiteeauswahl vom Vorjahr, in Neuberts Regie das Publikum fasziniert. Am Samstagabend dann lernten die Zuschauer die Auswahlwerke 2017 und deren Autoren und Übersetzerinnen kennen. Der Förderung des Deutschen Literaturfonds ist es zu verdanken, dass zum Beispiel Ivor Martinić und Blažena Radas, Autor und Übersetzerin des ersten vorgestellten Stücks „Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum“, beim Publikumsgespräch erstmalig im selben Raum waren. Die Lesung hatte Sandra Schüddekopf eingerichtet, und Ulrike Syha, Autorin, Übersetzerin, Komiteekoordinatorin, stellte Fragen über das Entstehen des Stücks und der Übersetzung und über die aktuellen Arbeiten von Martinić, der mittlerweile in Spanien lebt. Der Text zeichnet sich aus durch die Kombination aus der thematischen Konzentration auf eine Gesellschaft, die versucht, durchzukommen, auch wenn es beschwerlich ist, und einer einnehmenden, theatermagischen Überhöhung dieses Alltags.

Lesung von “Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum” – Foto: Neil Fleming

Nach der zweiten Lesung des Abends, dem Stück „sieben köchinnen, vier soldaten und drei sophien“ von der erfolgreichen slowenischen Autorin Simona Semenič (Einrichtung: Aurélie Youlia), nahmen die Übersetzerin Urška Brodar und Henning Bochert, Übersetzer und Komiteemitglied, den zufälligen Balkanschwerpunkt der Auswahl ins Visier und diskutierten mit Publikum und Teilnehmern die Thematik der Frauenrolle, die den Gesellschaften östlich der deutschsprachigen Regionen Europas stärker auf den Fingern zu brennen scheint. Auch die stark politische Setzung fällt an den Stücken aus Bulgarien, Kroatien und Slowenien ins Auge.

Lesung von “Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum” – Foto: Neil Fleming

Das dritte Stück nämlich, Alexander Manuiloffs „Der Staat“, warf die Zuschauer, die sich im Karrée gegenübersaßen (Einrichtung: Schüddekopf), auf sich selbst zurück, gibt es doch keine Darsteller, keine Handlung, nur den Text. Der thematisiert die Selbstverbrennung von Plamen Goranov 2013, ein tragisches Fanal angesichts unhaltbarer Zustände in der bulgarischen Politik, der sogar weitere vergleichbare Akte folgten. Die Vorstellung findet nur statt, wenn die Zuschauer sich dafür entscheiden, den Text zu lesen. Eine unmittelbare Stellungnahme mit radikaler Form, die zugleich die Botschaft ist: Nehmt es in die Hand.

Lesung von “Der Staat” – Foto: Neil Fleming

Im Gespräch zwischen dem Autor und dem Dramaturgen Christian Mayer geht es vor allem um die unterschiedlichen Produktionen, bei denen der Autor immer anwesend ist, und um die Reaktionen der Zuschauer dabei. Dass er den Text geschrieben hat, ist für Manuiloff eine direkte Konsequenz aus dem Weckruf, den Goranovs Tat darstellte und den er nicht ignorieren kann. Der Erfolg des Stücks ist beim Publikum unmittelbar spürbar: Nach einer Anlaufzeit des Verstehens und der Überwindung fühlen sich die Teilnehmer enger verbunden, man hat gemeinsam etwas erlebt und fühlt sich vielleicht ein winziges bisschen mehr verantwortlich – für einander, für sich selbst, für die Gemeinschaft.

Zu danken ist der Erfolg auch den wunderbaren Mitwirkenden: Larissa Alana, Ayca Basar, Alexander Doderer, Hanna Gandor, Laura Kaiser, Irina Maier, Marie Scholz, Vincenzo Tatti, Aurélie Youlia.
Im April 2018 plant das Komitee eine weitere Präsentation mit und im Theater Drachengasse in Wien, wo schon in den Vorjahren Lesungen stattfinden konnten. Weitere Partner sind im Gespräch und werden gesucht, vor allem ist das Netzwerk um eine dauerhafte Förderung bemüht.

Die Veranstaltung wurde im Radio begleitet (Link folgt) sowie in „Die Rhein-Pfalz“ von Heike Marx besprochen: RP Kritik eurodram.

Bei Interesse sind die deutschen Stücktexte unter syha@gmx.net erhältlich. Weitere Informationen zu Eurodram auf der Website des deutschsprachigen Komitees.

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EIN STÜCK: TSCHECHIEN: NACHLESE 2017

Kateřina Rudčenková: Zeit des Kirschrauchs

Szenische Lesung und Gespräch mit der tschechischen Autorin Kateřina Rudčenková

Donnerstag, 15. Juni 2017, 19 Uhr

Tschechisches Zentrum Berlin, Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin

In der Festival-Reihe „Ein Stück: Tschechien“ widmen sich Drama Panorama e. V. und Tschechisches Zentrum Berlin in der „Nachlese 2017“ erneut der tschechischen Gegenwartsdramatik. Dazu wird die tschechische Lyrikerin und Dramatikerin Kateřina Rudčenková, Lesen Sie mehr »
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Eurodram in Mannheim

Eurodram Wien 2015


Das deutschsprachige Eurodram-Komitee präsentiert seine diesjährige Auswahl an besonders empfehlenswerten internationalen Theaterstücken 2017.
In szenischen Lesungen (Einrichtung: Sandra Schüddekopf und Aurélie Youlia) zeigen wir Lesen Sie mehr »
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Workshop zum Theaterübersetzen

Foto: Barbora Schnelle


Übersetzungs-Workshop tschechische Dramatik

Das Tschechische Zentrum Berlin, das Fachgebiet Westslawische Sprachen der Humboldt-Universität zu Berlin und Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e.V. veranstalten einen Übersetzungs-Workshop, der sich an Studierende der Bohemistik an deutschen Universitäten wendet. Bestandteil des zweitägigen Workshops sind Vorträge, Lesen Sie mehr »
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DIE WELT IM RÜCKEN – Nach Melle von Bosse mit Meyerhoff

Joachim Meyerhoff betritt die Bühne leise, während die Zuschauer noch ihre Plätze suchen, man bekommt es kaum mit, bis er plötzlich an einer Tischtennisplatte mit einigen Zuschauern ein paar Ballwechsel auf der leeren Bühne hinlegt. Schon das ist kein ordentliches Spiel, da wird getrickst, der Mann spielt nach eigenen Regeln.

Der Abend DIE WELT IM RÜCKEN unternimmt den gar nicht naheliegenden Versuch, diesen autobiographischen Roman des Prosa- und Theaterautors Thomas Melle über seine bipolare Erkrankung in Theater zu verwandeln. Sehr kurzfristig war es dem Deutschen Theater noch gelungen, die Inszenierung als „Vorglühen“ zu den Autorentheatertagen aus Wien einzuladen. Lesen Sie mehr »
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ANIMA – der Trailer

Foto: Krahl


Endlich ist der Teaser zur Produktion ANIMA fertig. Er findet sich auf der Produktionsseite unter darcvisions.com.

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Rodenberg Ecke Scherenberg

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Carsten Braundau: DER STAAT von Alexander Manuiloff

2013. In Bulgarien wüten die Februar-Proteste. Hunderttausende von Menschen erheben ihre Stimme. Gegen die Armut, gegen zu hohe Stromrechnungen, gegen einen Staatsapparat, der von Korruption geprägt und von mafiösen Strukturen unterwandert ist. In den Morgenstunden des 20. Februars erscheint der 36jährige Plamen Goranov vor dem regionalen Landtag von Varna an der Schwarzmeerküste. Er hat ein […]


Weiterlesen: PORTRÄT: Alexander Manuiloff — eurodram
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Früh-Stücke Extra im Deutschen Theater Berlin

Für die Autorentheatertage 2017 wurden drei Stücke von diesen Autorinnen ausgewählt: Afsane Ehsandar, Yade Yasemin Önder und Sivan Ben Yishai.
Am nächsten Sonntag finden im Deutschen Theater Berlin die „Früh-Stücke Extra“ statt, Lesen Sie mehr »
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