IPLAY auf Englisch in THE MERCURIAN

mercurian

mit Texten aus Italien, Deutschland und Spanien von Daniel Smith und Valentina Denzel, Henning Bochert, Jason Yancey und Phyllis Zatlin.

In dieser neuen Ausgabe des renommierten Theatermagazins war der Herausgeber Adam Verseniy so freundlich, meine Übersetzung von Bernhard Studlars IPLAY zu veröffentlichen. Dazu habe ich eine kurze Einführung verfasst. Bereits in Ausgabe 3.4 ist ein Übersetzung von mir erschienen: Martin Heckmanns KOMMT EIN MANN ZUR WELT.

Auf der Internetseite der kleinen ehrenamtlich und unregelmäßig betriebenen englischsprachigen Online-Zeitschrift, die von der Theaterabteilung der University of North Carolina in Chapel Hill herausgegeben wird, heißt es:

THE MERCURIAN ist nach Merkur benannt, der – hätte er‘s gewusst – der Schutzgott der Theaterübersetzer war/ist, diesen furchtlosen Seelen, die besessen sind von Eloquenz, ausgefeilten Meisterleistungen, Boten nicht zwischen den Göttern, sondern zwischen Kulturen, Sprachbildhändler, behände und geschickte Linguistikdiebe. Wie das Metall Quecksilber (engl.: mercury) sind Theaterübersetzer in der Lage, andere Metalle zu absorbieren und Amalgame zu bilden. Wie in der antiken Chemie ist das Merkurische/Quecksilbrige eines der fünf grundlegenden „Prinzipien“, aus denen sich alle Stoffe zusammensetzen, auch bekannt als „Wesen“. Der Theaterübersetzer ist spritzig, lebhaft, tendenziell reizbar, zuweilen unbeständig, gewitzt, ein trefflicher Führer oder Begleiter auf dem Weg.

THE MERCURIAN veröffentlicht Übersetzungen von Theater- und Performance-Texten aus jeder Sprache ins Englische. THE MERCURIAN akzeptiert gern auch theoretische Texte über Theaterübersetzung; Tiraden, Manifeste und Positionspapiere über Translation für das Theater; außerdem Berichte über Inszenierungen von Theaterübersetzungen.

(http://drama.unc.edu/related-links/the-mercurian/; meine Übersetzung)

Außerdem finden sich in dieser Ausgabe 5.3 Übersetzungen von und Beiträge zu:

- Carlo Gozzis LA DONNA SERPENTE (DIE SCHLANGENFRAU) von 1762, übersetzt von Daniel Smith und Valentina Denzel

- Jason Yanceys QUIJÓTERES: THE INGENIOUS PUPPED DON QUIJOTE DE LA MANCHA, von ihm selbst übersetzt

- Antonio Muñoz de Mesas POLICY (LA VISITA), übersetzt von Phyllis Zatlin

Das Magazin (PDF) können Sie hier herunterladen.

Ich wünsche erfreuliche Lektüre.

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Amerika in den Sechzigern

Lenz_coverSiegfried Lenz’ AMERIKANISCHES TAGEBUCH 1962 liest sich intensiver, als ich dachte. Der Mann ist noch jung und voller Skepsis, als er seine vierzigtägige USA-Reise erlebt und schreibt. Lenz schreibt wie über einen Besuch auf dem Mars, alles ist wahnsinnig fremd, und als denkender Mensch kann er das Fremde auch orten und benennen. Er fühlt sich überall extrem gastfreundlich aufgenommen, allerdings ist ihm die Gastfreundschaft zu programmatisch, er fühlt sich – und wird auch – mit nahezu lückenlosem Programm herumgereicht. Zwar kommt er damit tatsächlich in kurzer Zeit durch sehr unterschiedliche Gebiete – zumindest geografisch. Denn das soziale Terrain der weißen Akademia verlässt er nicht. Lenz scheint ein Interesse an der zu dem Zeitpunkt extrem aktiven Bürgerrechtsbewegung zu haben, kommt damit aber kaum in Berührung. Er ist enttäuscht von der wenig tiefgründigen, oft überraschend wenig gebildeten Bildungsschicht, die zu einem großen Teil aus emigrierten Gelehrten zu bestehen schien. So fühlt er sich rasch einsam und fremd und auch abgestoßen von amerikanischen Phänomenen wie dem, das er den horror vacui nennt: nur keine Stille aufkommen lassen, nur nicht ins Ungewisse vordringen.

Die Kubakrise war weltbeherrschend, ist aber in Lenz‘ Schilderungen eher ein Randphänomen. Auffallend ist auch die Sprache der Zeit, eine andere steht auch ihm wohl nicht zur Verfügung, als er von Rasse, von Schwarzen schreibt und sich wenig darüber auslässt, dass alle Tische und alle Aufzüge von Nichtweißen bedient werden. Das scheint aber zu täuschen, denn zum Schluss seiner Reise, in New Orleans, schreibt er, wie die Trennung zwischen Weißen und Nichtweißen sich auflöst, indem zum Beispiel Trennwände in Restaurants zum Teil schon weggenommen werden oder auch die Verkehrsmittel von Nichtweißen genutzt werden. Auch das Geschlechtermodell ist ihm wohl fremd und uninteressant: die Amerikanerinnen, schreibt Lenz, wären immer Girls, auch mit Siebzig noch.

mad-men-1Dazu passt, dass die Serie MAD MEN, die ich als 1960 gesetzte Serienhandlung in den letzten Tagen gesehen habe, ebenfalls und mit einiger boshaften Genugtuung einen Schwerpunkt auf die Geschlechterrollen setzt, wie sie damals in den Vereinigten Staaten wohl herrschten. Nichtweiße kommen in der ersten Staffel nur als absolute Marginalien vor: Kellner und Liftbediener. Die Serie führt uns vor Augen, dass auch die Privilegierten, Der Weiße Mann, unter diesem gesellschaftlichen Regime zu leiden hatte. Während die Szenen und Dialoge möglichst alle Tabus der political correctness brechen, die die Situationen erlauben, und wirklich gemein sein wollen, fragt man sich, ob auf dem Hintergrund der Zeit diese Beschränkung der Handlung nicht ein wenig zynisch ist. Vielleicht kümmern sich einige der nächsten Staffeln um diese Themenbereiche?

6080748      everett_cover_web Das Buch I AM NOT SIDNEY POITIER (Percival Everett; glänzend ins Deutsche übertragen von Karen Witthuhn), ebenfalls letzte Woche gelesen, spielt etwas später in den Sechzigern und legt den Schwerpunkt wiederum ausschließlich auf die zu der Zeit in den USA herrschende Apartheid, die angesichts der zahlreichen aktuellen Gewalttaten weißer Polizisten gegen nichtweiße Bürger verübt worden sind, in denen die Polizei regelmäßig ungestraft davonkommt. Die brillant geschriebene Satire treibt ein Vexierspiel, dass sich nicht auf den ersten Blick entschlüsselt. Sie erlebt aber ihren Höhepunkt, als die Hauptfigur Not Sidney (eine literarische Gegenfigur zu dem Schauspieler Sidney Poitier) endliche initiativ wird gegen die fortwährenden Erniedrigungen und beim Thanksgiving-Essen in der Südstaatenfamilie seiner Freundin allen die Meinung sagt.

Jetzt freue mich auf den Film SELMA, der die Zeit und einige ihrer Themen abrundet.

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DAS WILDPFERD UNTERM KACHELOFEN – Trailer

2005 inszenierte Eberhard Köhler am Theater an der Parkaue eine Bühnenadaption von Christoph Heins DAS WILDPFERD UNTERM KACHELOFEN. Susanne Hoss hat nun, zum Zehnjährigen, einen kurzen Trailer geschnitten und dem so flüchtigen Theater und seinen Akteuren zu einem verdienten, etwas ausgedehnteren Moment der Dauer verholfen.

Der Trailer ist hier zu sehen.

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CEATL-Studie zu Literaturübersetzungen

Jetzt erst stoße ich auf diese Studie (auf Englisch) des Conseil Européen des Associations de Traducteurs Littéraires. Zwar ist sie von 2008, aber die Zahlen und Schlussfolgerungen hätten mich auch damals in einzelnen Punkten überrascht. Zum Beispiel die Zahlen zu Belletristik-Veröffentlichungen im Verhältnis zu den übersetzten Werken darunter im europäischen Vergleich auf den Seiten 9-10.

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Sonnenallee Ecke Hermannplatz

2015-01-29 Sonnenallee Ecke Hermannplatz

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Münchner Verfahren: Keupstraße

Gelegentlich gelangen Meldungen vom NSU-Prozess in München an die Nachrichtenoberfläche. Seit dem 12. Januar läuft der Prozess in diesem Jahr weiter, berichtete auch die Süddeutsche. Die Berichterstattung ist in den Hintergrund gerückt, wer nicht selbst auf Seiten wie NSU-Watch die Geschehnisse verfolgt, läuft Gefahr zu glauben, dass diese Geschehnisse in der Gegenwart keine Relevanz mehr haben. In den nächsten Tagen und Wochen will sich das Münchner Gericht mit dem Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße 2004 befassen. Alle 22 Opfer sollen befragt werden, meldet die Tagesschau heute.

Die Aktivitäten rechtsradikaler Gruppierungen haben die Nation bisher überwiegend untergründig beschäftigt. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages konnte auf Grund mangelnder Kooperation der Verfassungsschutzorgane (sprich: verweigerte oder massiv geschwärzte Unterlagen) und sprachlos machender, spontaner Gedächtnisverluste vieler Zeugen an bestimmten Punkten seiner Untersuchungen keine weiterführenden Erkenntnisse gewinnen – ein frustrierendes, fortgesetztes Demokratieversagen der Behörden. Wie die Zusammenhänge zwischen Verfassungsschutzbehörden und den staatsfeindlichen und mörderischen Aktivitäten der ganz Neonazis aussahen, kann nur vermutet werden.

Mein Text TAGESTHEMEN. SABOTEURE. könnte einen Beitrag zu der fortgesetzten Diskussion darstellen.

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Logbuch 3.1: LIEBEN

LIEBEN_DeckelKnausgård, LIEBEN, S. 135

Nachdem Knausgård, dessen zweites Buch in der wohl sechsbändigen autobiographischen Reihe ich erwartungsfroh mit Jahresbeginn aufschlage, mir detailgetreue sechzig Seiten lang erläutert, wie scheiße das Leben mit kleinen Kindern ist, selbst wenn man sie so abgöttisch liebt wie er selbst („Das alles langweilte mich zu Tode.“ S. 93); dass einen (preisgekrönten Schriftsteller wie in) dieses Leben mit all seinen Banalitäten nur ablenkt vom Eigentlichen*; und wie erst die Menschen, diese schrecklichen Menschen, denen er zwanghaft immer so superfreundlich begegnen muss, dass niemand merkt, wie gleichgültig sie ihm an sich sind („von meinen zahlreichen Gefühlen für die Menschen, mit denen ich soeben mehrere Stunden verbracht hatte, war nichts mehr geblieben. Sie hätten allesamt verbrennen können, ohne dass ich das Geringste für sie empfunden hätte.“ S. 86), ja wie er eigentlich unter ihnen leidet, nicht an dem oder jener im Speziellen, sondern daran, dass sie als Einzelmenschen zutage treten, wenn er sich zu lange in ihrer Nähe aufhält, oder vielleicht wäre es angebrachter zu sagen: in ihrer Nähe sonnt, denn andererseits badet Knausgård geradezu in der Anonymität der Großstadt, in der zu leben er sich entschieden hat („Distanz, Distanz, ich konnte nie genug Distanz haben.“ S. 114); nachdem er mir weiter berichtet hat, wie er unter der „Verweiblichung“ durch seine aufopfernde Vatertätigkeit leidet und die anderen Väter verachtet; wie er sich fragt, wieso er es nicht lassen kann, anderen Frauen hinterherzusehen und wie er darunter leidet, ein solcher Macho zu sein; wie ihn aus dem Spiegel sein Gesicht so frustriert ansieht, dass er erschrickt, da habe ich es begriffen: er möchte mir sagen, dass er ein Arschloch ist.

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Leseliste 2014

1.    Thomas Pynchon/Bleeding Edge

2.    Florian Illies/2013

3.    Harper Lee/Wer die Nachtigall stört (To Kill a Mockingbird, Ü: Claire Malignon)

4.    Franz Kafka/Briefe an Milena

5.    Christian Kracht/Imperium

6.    Uwe Timm/Vogelweide Lesen Sie mehr »

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Logbuch 2.5: DIE SCHLAFWANDLER

DIE SCHLAFWANDLER S. 700

Ein großer Sprung, während dessen Huguenau erfolgreich versucht hat, den Major v. Pasenow und den Drucker Herrn Esch gegeneinander auszuspielen, sobald sich eine Allianz im Glauben zwischen den beiden von der Moderne eingeholten und gebeutelten Gestalten zu bilden begann, die seinen Interessen zuwiderlief. Im November kommt es im kleinen Städtchen dann zu einer umstürzlerischen Revolte, das Gefängnis wird geöffnet, die Gefangenen befreit, das Rathaus niedergebrannt, jedoch können die Unruhe, die nach diesem Brand geschockt anhalten, mit aus Trier herangeholten Truppen gestoppt werden. Die Situation hat Huguenau jedoch nicht nur dazu verwendet, sich seines Widersachers Esch zu entledigen und dessen Verdienste um das Leben des Majors sich selbst zugute zu halten, sondern auch der gesamten instabilen Situation nach der Kapitulation des deutschen Reiches in seine colmarische Heimat zu entkommen und sein gutbürgerliches Leben wieder aufzunehmen. Lesen Sie mehr »

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Logbuch 2.4: DIE SCHLAFWANDLER

DIE SCHLAFWANDLER S. 560

Das Buch setzt seinen Triumphzug durch die Landschaft meiner Leseerfahrung fort, während meine eigenen Versuche gaffend Spalier stehen.

Die bisherigen Figuren tauchen, entsprechend gealtert und ohne zu erläutern, wie sie hier gelandet sind, in dieser linksrheinischen Gegend Kurtrier auf. Esch ist Drucker, stets gnatzig, weil seine „Buchungen“ nicht aufgehen, die er der Welt in Rechnung stellt, während Major von Pasenow in Alter und Würde erstarrt eine längst vergangene Welt repräsentiert, die nichts mehr zu melden hat, nach deren Werten sich die Esch’sche Generation noch sehnt angesichts der komplett merkantilistisch orientierten Welt des neuen Protagonisten Wilhelm Huguenau. Natürlich ist dieser gleich am ersten Tag von der Front davonmarschiert in der Erkenntnis, dass es hier nichts zu gewinnen gäbe. Als Hochstapler möchte man den Betrüger nicht bezeichnen, schafft er doch qua Behauptung die Verhältnisse hinreichend genug, derer er bedarf für seine Geschäfte. Lesen Sie mehr »

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