Autoren anderswo: USA

Worüber schreiben Theaterautor_innen in anderen Weltteilen?

THE BODY OF AN AMERICAN

Mogadischu 1993. Paul, ein kanadischer Fotojournalist, wird in Kürze ein Bild machen, mit dem er den Pulitzerpreis gewinnt. Princeton, heute: Dan, ein amerikanischer Schriftsteller, ringt mit seinem Theaterstück über Geister. Zwischen beiden Männern liegen Welten, aber dann ist eine zufällige Begegnung über den Äther der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft. Sie reisen an die gefährlichsten Orte der Welt und erkunden die Abgründe der menschlichen Seele.

Auf dem Flug von Kabul bis in Kanadas hohen Norden springen in THE BODY OF AN AMERICAN, einer neuen Form von Doku-Drama, zwei Schauspieler zwischen mehr als 30 Rollen herum. Mit Hochdruck stellt das Stück das – öffentliche wie private – Ringen dieser beiden Männer vor den Hintergrund der eindrücklichsten Kriegsbilder der Welt.

(Quelle: www.dollee.com; Übersetzung: Henning Bochert)

Das Bild des geschändeten US-Soldaten in Mogadischu hat sich in unsere Köpfe eingeprägt. Der US-amerikanische Theaterautor Dan O’Brien hat seine rasante Geschichte über den verrückten Fotojournalisten und den mit der Kunst ringenden Theaterautor in einer dichten, formal anspruchsvollen Sprache verfasst, die für jede Inszenierung (und den Übersetzer) eine ehrausfordernde Reibungsfläche bietet. Das Stück hat eine Reihe von Auszeichnungen gewonnen, zuletzt den Horton-Foote-Preis als herausragendes neues amerikanisches Theaterstück. Zahlreiche Kritiken, z. B. im Guardian oder bei Oregan Artswatch, berichten von Inszenierungen dieser Reise in den Realitätshunger.

Über den Autor:

obrien1Dan O’Brien ist Theaterautor, Dichter und Librettist. Seine Stücke sind bei Samuel French, Playscripts, Oberon, Dramatic Publishing, und in zahlreichen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht, darunter Alaska Quarterly Review und Blackbird.

O'Brien hat an der Princeton University, Sewanee Writers’ Conference, The University of the South (Sewanee), University of Wisconsin-Madison, dem SUNY Purchase und in seinem eigenen Workshop in New York City Szenisches Schreiben unterrichtet. Er hat das Middlebury College mit einem Bachelor of Arts in Englisch und Theater abgeschlossen und die Brown University mit einem Master of Fine Arts (MFA) in Szenisches Schreiben und Belletristik. Er lebt mit seiner Familie in Los Angeles.

(Quelle mit freundlicher Genehmigung des Autors: Auszüge aus http://danobrien.org)

 

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Paul-Linke-Ufer Ecke Thielenbrücke

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Autoren anderswo: England

Worüber schreiben Theaterautor_innen in anderen Weltteilen?

Tobsha Learner ist in England großgeworden, hat lange in Australien und auch einige Jahre in den USA gelebt, ehe sie wieder nach London zog. Nach längerer Abstinenz vom Theater hat sie kürzlich wieder einen Einakter geschrieben. Aber ist dies ein britisches Stück? Ein australisches?

Drei Figuren stehen für drei Parteien im jüngsten Einmarsch indonesischer Truppen in Ost-Timor im Jahr 1999. In ihrem Stück CAGE (KÄFIG) ist ein junger australischer Soldat von seiner Truppe zurückgelassen worden, um einen Gefangenen, den weniger jungen indonesischen Kommandanten, zu bewachen. Während die beiden auf einer Lichtung darüber diskutieren, ob der Gefangene freizulassen ist, rücken die indonesischen Truppen hörbar näher. Nachdem der Soldat den Gefangenen in seinem Käfig niedergeschlagen hat, tritt eine junge osttimorische Frau aus den Büschen. Sie behauptet, der Gefangene hätte das Massaker in ihrem Dorf angeführt, dem ihr Mann und ihr Kind zum Opfer gefallen seien und sie selbst habe entkommen können, und sie möchte ihn töten. Ihr Vergeltungsdrang steht dem Auftrag des Soldaten entgegen, der den Gefangenen vor ein Gericht bringen will. Der Mann im Käfig kommt wieder zu Bewusstsein und erzählt eine andere Geschichte: die Frau sei seine Freundin gewesen, die sich nun, da er von ihr gelangweilt gewesen wäre, für die Kränkung rächen wolle. Ein Massaker habe es nicht gegeben, sondern das Dorf hätte die Invasion benutzt, um im nächsten Dorf eine Stammesfehde mit einer Massentötung zu beenden, die dann den Invasoren angehängt werden könnte.

Die Figuren erhalten in rascher Folge die Kontrolle über die Situation bis zum tragischen Ende des kurzen Stücks, ebenso rasch wechseln die Variationen auf die nie enthüllte Wahrheit.

Die militärische Intervention von Australien in Ost-Timor wurde 1999 von der Regierung Howard als Einsatz zum Schutz der dortigen Bevölkerung vor dem Terror der von Indonesien gesteuerten Milizen verkauft. Kritiker sahen die Beweggründe allerdings in den wirtschaftlichen Interessen Australiens an der Kontrolle über den indonesischen Archipel, der reich an Ressourcen ist. Wie so oft war der Konflikt komplex. Indonesiens Einmarsch in Ost-Timor war 1975 von Australien begrüßt worden, die militärische Ausbildung der Junta-Armee von Australien und den USA eng unterstützt. Sondereinheiten sorgten für Terror und Unterdrückung der osttimoresischen Bevölkerung. Ebendiese sollte nun mit einem Mal vor der Unterdrückung der Militär- und Handelspartner geschützt werden. Diese sehr unglaubwürdige Strategie wurde durch eine enorme Medienkampagne im Vorfeld in der Öffentlichkeit vorbereitet, und die Verzerrung der Wahrheit spiegelt sich in den Perspektiven der Figuren im Stück wieder.

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AM BODEN von George Brant

Der spannende Monolog für eine Darstellerin AM BODEN von George Brant ist jetzt poliert und spielfertig bei S. Fischer zu haben. Die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht, denn die dichte, sehr knappe Sprache der Figur (einer Kampfpilotin), die motivischen Verweise, der gesamte Stil stellen den Übersetzer vor äußerst willkommene Herausforderungen. Jetzt bin ich sehr gespannt, den Text hoffentlich bald auf einer Bühne zu sehen.

Das Stück ist als eine meiner Übersetzungen für S. Fischer Theater & Medien hier zu bestellen. Ich wünsche anregende Lektüre und ruckizucki Produktionsoptionen. Das Ding muss auf die Bretter!

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Sander Ecke Hobrecht + Kottbusser Damm

 

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ERINNERUNGEN AN PETERSBURG/Joseph Brodsky

Brodskycover

In zwei Texten ("WENIGER ALS MAN/LESS THAN ONE" und "IN EINEINHALB ZIMMERN/IN ONE-AND-A-HALF ROOMS") beschreibt Joseph Brodsky (Literaturnobelpreis 1987) 1986 seine Kindheit, das russische kollektive Unbewusste, den Antisemitismus, die Eigenheiten der totalitär regierten Gesellschaft, in der jeder Henker und Opfer sein kann. Die beiden sehr dichten Texte sind so schön wie schmerzhaft. Die Übersetzerinnen haben, soweit ich das beurteilen kann, die lakonische Poesie des Textes hervorragend getroffen. „Schlampiger Schlamper“, darauf muss man kommen. „Soll Englisch meine Toten behausen“ – Die Überlegungen Brodskys, dass seine Entscheidung, über seine Eltern auf Englisch zu schreiben, für sie eine posthume Befreiung aus dem unterdrückerischen und seelenzerstörenden russischen Kontext darstellt, ist so schön wie kaputt. Sicher steckt darin seine Größe, aus seinem Schmerz, den ihm seine Heimat angetan, aus diesem total zertretenen und geschundenen und missbrauchten Land und seiner Bevölkerung – wie ein Alchimist aus Dreck Gold – solche wunderbare Gedanken zu ernten. Ich bin versucht, zum Beweis das gesamte Bändchen anzuführen: die Beschreibung der elterlichen Kommunalka, die Art und Weise, wie der Autor die Tragödie der Trennung von seinen Eltern bis zu deren Tod beschreibt, vor dem er sie nicht noch einmal sehen konnte. Dazu kommen in dieser Ausgabe die Fotos von Barbara Klemm, in diesem Fall einmal wirklich erhellend und illustrierend und der vielen Reflexionen gerade in WENIGER ALS MAN auch notwendige Ergänzung, Angler vor Ermitage, drei junge Frauen in Ostmode auf Bank in zerschundenem Stadteck, das vielleicht mal Park war, in allem ein würdiges Leben fordernd. „Nur das ich ihnen in ihrem Alter nicht helfen konnte; nur dass ich nicht dabei war, als sie im Sterben lagen. Ich sage das, nicht so sehr aus einem Schuldgefühl heraus, sondern aus dem egoistischen Wunsch eines Kindes, seine Eltern alle Phasen ihres Lebens hindurch zu begleiten (…).“ So gelingt es ihm, kraft seiner Gedanken die Tragödie zu überschreiten und als Genre zu überwinden und noch Gewinn daraus zu schlagen („Die armen Leute wollen immer, dass alles zu etwas gut ist.“).

Wer immer mir dieses Büchlein geschenkt hat, hat mir auch diesen großartigen Autor geschenkt, den ich zuvor nicht kannte. Herzlichen Dank!

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Video: EIN STÜCK TSCHECHIEN

IMG_6831_klTereza Bulisová hat ein herrliches Video geschnitten, das in dieser Version schon den Abend mit den Lesungen neuer tschechischer Stücke vom 19. Juni zeigt. Wir wünschen viel Vergnügen!

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Bouché Ecke Kiefholz

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Am Herzogtore (WF)

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Carlos Murillo und Henning Bochert auf Howlround.com

Ich freue mich sehr, das ein Auszug aus meinem Austausch mit US-Theaterautor Carlos Murillo nun auf dem bekannten US-Theaterportal HowlRound.com erschienen ist.

Über HowlRound.com:

"HowlRound is a story of artists and theater makers sharing dissonant opinions, engaging in in-depth dialogue, and promoting best practices with the hope of ensuring a vibrant future for our field. Our stories live in a theater commons—shared resources available to all."

(HowlRound ist eine Geschichte von Künstlern und Theatermachern, die abweichende Ansichten austauschen, einen tiefgreifenden Dialog pflegen und beste Verfahrensweisen fördern, um hoffentlich unserem Arbeitsfeld eine strahlende Zukunft zu sichern. Unsere Geschichten sind theatrales Gemeingut – gemeinsame, allen zugängliche Ressourcen.)

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