Mehrsprachigkeit im Theater


Podium und Werkstatttag
4. und 5. Oktober 2021

Aus: Mörder unter uns. ГОРОД ИЩЕТ УБИЙЦУ. (Teatr Pokoleniy) | Foto: Viktoria Atamantchuk

English Theatre Berlin | International Performing Arts Centre

Fidicinstraße 40, 10965 Berlin

Unsere Gesellschaft ist postmigrantisch. Sie hat sich immer wieder durch zahlreiche Migrationseinflüsse verändert, ist reicher, vielfältiger geworden und wird von der Koexistenz vieler sich gegenseitig beeinflussender Sprachen und Sprachräume geprägt.

Wie spiegelt sich diese Situation im heutigen Theater wieder? Das deutsche Theater ist ein Kind des Nationalismus. Seit einiger Zeit wird das Narrativ des Nationaltheaters umgeschrieben. Sind mehrsprachige Inszenierungen eine mögliche Antwort auf die postnationale gesellschaftliche Realität? Mit welchem Zweck und welchem Effekt werden mehrere Sprachen eingesetzt? Wie werden mehrsprachige Stücke geschrieben? Und wie werden sie übersetzt?

In unserer Abendveranstaltung sprechen wir mit Theatermenschen, die neue und wegweisende Modelle der Mehrsprachigkeit für die Bühne entwerfen, und lesen aus mehrsprachigen Stücken. In der Werkstatt sprechen wir mit mehrsprachig arbeitenden Autorinnen, analysieren linguistische Aspekte des Themas und besprechen Texte der ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

04. Oktober 2021 – Podiumsdiskussion und Lesung

20:00 – 21:45 UhrIst die neue Bühnenrealität mehrsprachig?
Podiumsdiskussion
mit: Georgia Doll, Yael Ronen, William Gregory, NN.
Moderation: Barbora Schnelle und Henning Bochert
Ausgewählte Ausschnitte aus mehrsprachigen Texten
Lesungen
Einrichtung: Eberhard Köhler

Wir sprechen mit reprästentativen Gästen über ihre jeweiligen Verfahrensweisen und Aspekte zur Theaterarbeit mit mehreren Sprachen. Die Diskussion wechselt sich ab mit kurzen Lesungen von Ausschnitten zeitgenössischer Stücke, die die diskutierten Ansätze exemplarisch erfahrbar machen.

05. Oktober 2021 – Werkstatttag

10:30 Uhr – 12:30 UhrGespräche mit den Autor*innen Sivan Ben Yishai und Georgia Doll sowie der Übersetzerin Maren Kames
Moderation: Henning Bochert und Barbora Schnelle
12:30 Uhr – 14:00 UhrMittagspause
14:00 Uhr – 16:00 UhrTextwerkstatt
Impulsvortrag und Moderation: Lydia Nagel
16:00 Uhr – 17:00 UhrAuswertung
anschließendAusklang bei Aperitif

Der zweite Tag ist als Werkstatt für angemeldete Teilnehmer*innen konzipiert: Am Vormittag sprechen Barbora Schnelle und Henning Bochert mit Sivan Ben Yishai und Georgia Doll, die sich in ihrem Schreiben mehrerer Sprachen bedienen, sowie mit Ben Yishais Übersetzerin Maren Kames über ihre jeweiligen Arbeitsweisen. Die beiden Autorinnen vertreten unterschiedliche Herangehensweisen und Modelle der Arbeit mit mehreren Sprachen, die sie zusammen mit den Werkstatt-Teilnehmenden reflektieren. Die Übersetzbarkeit solcher Werke und das Verhältnis zum sprachlichen Transfer für die Bühne spielen eine zentrale Rolle.

Am Nachmittag spricht Lydia Nagel über das Übersetzen mehrsprachiger Texte aus sprachwissenschaftlicher Perspektive und arbeitet mit den ausgewählten Teilnehmer*innen an deren Texten. Dabei sollen auch die Erfahrungen aus den Gesprächen mit den Autorinnen berücksichtigt werden.

Gemeinsam fassen wir die Ergebnisse zusammen und diskutieren abschließend. Der Tag klingt bei einem Aperitif aus.

Biografien der Gäste

Georgia Doll

Georgia Doll, 1980 in Wien geboren, wächst in Hamburg auf, wo sie 1999 ihr Abitur macht und sodann Deutsche Sprache und Literatur mit Schwerpunkt Theater an der Universität Hamburg studiert. Im Rahmen eines Doppelstudiums macht sie einen Master in Theaterwissenschaften an der Université Toulouse le Mirail in Frankreich und in der Folge absolviert sie ein Aufbaustudium „Theaterregie und Dramaturgie“ an der Université Paris X Nanterre; dort entsteht 2007 ihr erstes abendfüllendes Stück in französischer Sprache. Sie studiert Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin, wo weitere ihrer Stücke zur Aufführung gebracht werden. Seit 2010 lebt Georgia Doll in Südfrankreich, wo sie mit ihrem Kulturverein Les Passagers du Mardi arbeitet. Sie inszeniert ihre Theaterstücke, arbeitet kunstpädagogisch mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, macht partizipative Kunstprojekte und Schreibworkshops, auch in internationalen Kontexten (Bulgarien, Frankreich, Togo, Tunesien) und engagiert sich als kulturelle Mediatorin für Menschenrechte. Zurzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman und bereitet einen Artistic PhD an der Université Aix-Marseille zum Thema „Schreiben zwischen den Sprachen“ vor. Ihre Stücke werden in Deutschland, Frankreich, Österreich und Togo auf die Bühne gebracht. Georgia Doll schreibt in deutscher und französischer Sprache.

(Quelle und Foto: Georgia Doll)

William Gregory

William Gregory übersetzt vornehmlich zeitgenössische Theatertexte aus dem Spanischen. 2020-2021 war er einer der beiden ersten Hausübersetzer am British Centre for Literary Translation. Beim 2019 Valle-Inclán-Preis für die Oberon Anthology of Contemporary Spanish Plays war er Finalist. Seine Übersetzung von A Fight Against… des chilenischen Autos Pablo Manzi wird 2021 am Royal Cour Theatre in London uraufgeführt. In jüngerer Zeit wurden veröffentlicht: The Widow of Aplablaza vom chilenischen Autor Germán Luco Cruchaga (Inti Press) und The Uncapturable, die Memoiren des führenden argentinischen Theaterregisseurs Rubén Szuchmacher (Bloomsbury). Er ist Visiting Research Associate am King’s College Lodon, Mitglied des Spanisch-Amerikanischen Theaterkollektivs Out oft he Wings sowie Ausschussmitglied des Übersetzerverbands von Großbritannien (Translators Association of Great Britain).

(Quelle und Foto: William Gregory) (Ü: HB)

Maren Kames

Maren Kames wurde 1984 in Überlingen am Bodensee geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaft in Tübingen und Leipzig, anschließend am Institut für Literarisches Schreiben in Hildesheim. Ihr Debüt HALB TAUBE HALB PFAU (Secession Verlag für Literatur, 2016) inszenierte sie in interdisziplinären Zusammenarbeiten vielfach in audiovisuellen Rauminstallationen und performativen Lesungen, unter anderem in Literaturhäusern Stuttgart und Freiburg, an der Kölner Oper sowie in der König Galerie Berlin. Mit LUNA LUNA (Secession Verlag, 2019) war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Beide Bücher wurden als Hörspiele umgesetzt. LUNA LUNA wird 2022 am Schauspiel Leipzig als Bühnenstück zur Aufführung kommen. Seit 2017 übersetzt sie in enger Zusammenarbeit mit der Autorin sämtliche Theaterstücke und nahezu alle essayistischen Texte von Sivan Ben Yishai aus dem Englischen. Zuletzt wurde sie mit dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Literaturpreis „Text und Sprache“ des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.

(Quelle: M. Kames, Foto: Dirk Skiba)

Yael Ronen

Yael Ronen wurde 1976 in Jerusalem geboren, stammt aus einer Theaterfamilie und zählt zu den aufregendsten Theatermacher*innen ihrer Generation. Ihr Stück Dritte Generation (2008), eine Ko-Produktion der Schaubühne Berlin, dem Habima Theater Tel Aviv und der Ruhrtriennale, mit israelischen, palästinensischen und deutschen Schauspieler*innen ist international als Theater-Sensation gefeiert und zu zahlreichen Festivals eingeladen worden. Am Schauspielhaus Graz entwickelte sie Hakoah Wien, ein Stück über ihre eigene Familiengeschichte, das 2013 mit dem österreichischen Theaterpreis Nestroy ausgezeichnet worden ist. Yael Ronen lebt in Berlin und Tel Aviv.

(Quelle: Henschel Schauspiel Verlag)

Sivan Ben Yishai

Sivan Ben Yishai, Autorin und Theaterregisseurin, lebt seit 2012 in Berlin. Sie studierte Theaterregie sowie Schreiben für das Theater an der Tel-Aviv-Universität und in der Schule für Visuelles Theater Jerusalem. Ihr Stück YOUR VERY OWN DOUBLE CRISIS CLUB wurde bei den Autorentheatertagen 2017 uraufgeführt, als erster Teil ihrer Tetralogie LET THE BLOOD COME OUT TO SHOW THEM. Die Uraufführungen der drei weiteren Teile waren und sind am Maxim Gorki Theater Berlin zu sehen. In der Spielzeit 2019/20 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim. Sie wurde mit LIEBE/Eine argumentative Übung zum Mülheimer Dramatikerpreis 2020 eingeladen und war Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya in Istanbul.

(Quelle: Suhrkamp-Verlag, Foto: Birgit Kaulfuss)

panorama #1 übertheaterübersetzen, die neue Veranstaltungsreihe von Drama Panorama e. V., wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms “Neustart Kultur”. An insgesamt sieben Thementagen sollen die vielfältigen Erscheinungsformen der Theaterübersetzung und ihre jeweiligen Spezifika publikumswirksam erforscht werden.

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